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Amàre Beach Hotel
Sancti Petri

Amàre Beach Hotel Sancti Petri
Novo Sancti Petri, 11130 Chiclana de la Frontera
Spanien
Telefon: + 34 9179 41 285
www.amarehotels.com

350 Zimmer & Suiten
€€

getestet von Harald Braun
18

Der erste Eindruck

Nicht schlecht. Ist das nun weißer, minimalistischer Modernismus, der einem da schon bei der Anfahrt auf das weiträumige Gelände in Novo Sancti Petri begegnet? Oder ist das doch eher Neo-Brutalismus, dem man etwa auf Ibiza oder Mykonos so oft begegnet? Jedenfalls haben die Gebäude des Amare Beach Hotel nichts mit den maurisch anmutenden, gern dunklen Folklore-Hotels zu tun, die sich in Andalusien an der Küste entlang schlängeln. Die Botschaft: Weiß sind alle meine Farben. Und das passt gut zum Aperol Spritz und den leuchtenden Sneakern, die in dieser Umgebung gern im Ensemble auftreten.

Ziemlich wow auch die Eingangshalle, die sich als schnöde Rezeption sicher unterverkauft fühlen würde: Groß, hell, modern und geschniegelt wie ein frisch gebügeltes Leinenhemd. Das legendäre Licht von Cádiz fällt durch die Lobby wie durch einen Instagram-Filter, nur eben in echt.

Bemerkenswert auch diese amüsante Comicfigur irgendwo zwischen den Simpsons und Walt Disney, die prominent in der Lobby offenbar das übliche Outfit des gemeinen Urlaubers auf die Schippe nimmt. Amare-Deputy-Manager Nicolas Ferrante meint lakonisch dazu: »Muss ein deutscher Tourist sein – trägt Socken zu Sandalen.« Der traut sich was.

Wer wohnt hier?

Im Amàre wohnt eine sehr spezielle Spezies Urlauber. Ein Paradoxon: Menschen, die sich nach Ruhe sehnen, aber dabei unter vielen ähnlich denkenden Menschen sein möchten. Wie Ferdinand von Schirach das einmal formuliert hat, paraphrasiert: Er schätze den geschützten Raum der exklusiven Gastronomie, weil er auf ihn wie eine beruhigende Kulisse wirkt, die ihn vor der eigenen Melancholie schütze. Okay…

Der Wunsch, der alle Gäste verbindet: möglichst Meernähe und gaaaaanz weit weg vom All-inclusive-Buffetwahnsinn mit Hüpfburg und Kinderdisco. Das »Adults Recommended«-Konzept zeigt sich flexibel. Niemand wird verhaftet, wenn er ein Kind dabei hat. Besonders vergnügt wird das im Amàre Beach aber wahrscheinlich nicht sein. Dafür ist die Atmosphäre zu ruhig, zu loungig, zu sehr auf lange Frühstücke, Cocktails und gepflegte Entspannung ausgerichtet. Trotz täglicher DJ-Set-Einsätze am Pool oder auf der Dachterrasse gilt: Wer Action sucht, fährt besser nach Ibiza.

Gut geschlafen?

Die rund 350 Zimmer und Suiten folgen einer modernen Strandhotelästhetik, die derzeit international Konsens zu sein scheint: helle Naturtöne, viel Holz, weiche Stoffe, indirektes Licht und Betten, die so breit sind, dass darin auch Familientreffen stattfinden könnten.

Bei den Kissen wurde nicht gespart. Es dauert, bis das Bett am Abend von all dem charmanten Schnickschnack befreit und auch alle im Raum verteilten Lichtquellen bezwungen wurden, aber hey: Bewältigte Herausforderungen erhöhen das Urlaubsvergnügen.

Das Zimmerdesign will nicht protzen, sondern verführen – und beruhigen. Viele Zimmer verfügen über Meerblick oder zumindest seitlichen Atlantikkontakt. Balkone gehören zum Standardrepertoire. Technisch ist alles auf hohem Niveau: große Flatscreens, schnelles WLAN, Klimaanlage, Kaffeemaschine, Regendusche, Safe, USB-Anschlüsse. Fazit: Alles so erfreulich unaufgeregt, gut gemacht!

Der Wellnessfaktor

Es ist verständlich, dass in einem Strandhotel in Andalusien mit einem überwiegend jungen Publikum kein Interesse daran besteht, einen balinesischen Wellnesstempel auf die Beine zu stellen. Warum aber in einem Haus, das in Peak-Zeiten gerne mal mehr als 500 Personen beherbergt, ein (EIN!) kleiner Behandlungsraum für allerlei Massagen angeboten wird, ist dann doch, wie soll man sagen: mutig. Immerhin - zum Angebot gehören Massagen und Beauty-Treatments mit Anwendungen der Marke Germaine de Capuccini.

Unser Tipp: die Amazonas-Massage. Das Konzept werde man vermutlich in der nächsten Zeit überdenken, verspricht Deputy Manager Ferrante mit einem charmanten Lächeln, was heißt, dass noch einige Räume dazukommen werden. Aber das Konzept sieht halt vor, dass alles draußen stattfinden soll, mit Blickrichtung zu den schönen Pools und dem Meer.

Ein Fitness-Gym immerhin ist Bestandteil des Angebots. Und auch wenn die raffinierte Spiegeltechnik dort ein bisschen mehr Weite vorgibt, als wirklich vorhanden ist, ist das ein gut ausgestatteter und erfreulich heller Raum.

Bauchgefühl

Kulinarisch verfolgt das Amàre ein Konzept, das möglicherweise als »gehobene Urlaubsgastronomie mit Lifestyle-Komponente« bezeichnet werden könnte. Fakt: Es gibt mehrere Restaurants, eine Rooftop-Bar, eine Poolbar und Lounges, in denen attraktive Menschen sehr attraktive Dinge zu sich nehmen. Ernsthaft: Die Qualität der Küche ist durchgehend gut bis überragend, egal in welchem Restaurant.

Im Buffetrestaurant Mare Nostrum wird morgens und abends serviert, inklusive Showcooking. Daneben gibt es mit dem Hayaca ein Signature-Restaurant auf dem Rooftop, dessen Konzept Sternekoch Mauricio Giovanini verantwortet hat. Hier trifft lateinamerikanische Küche auf Andalusien, begleitet von Cocktails und Sonnenuntergängen, die selbst nüchterne Seelen kurzfristig emotional werden lassen.

Bonus: Zusätzlich zu den Speisen ist das »Sunset Ritual« auf der Dachterrasse ein fester Bestandteil des Urlaubserlebnisses, begleitet von Signature-Cocktails des renommierten Mixologen Diego Cabrera. Was dieses Ritual genau ist? »Es geht darum, das goldene Licht und den weiten Blick über den Strand La Barrosa bewusst als Event wahrzunehmen – oft endet der Moment, wenn die Sonne im Meer versinkt, in einer Art gemeinschaftlichem Erlebnis!« Na dann.

Das besondere Etwas

Viele Luxushotels sehen heute beeindruckend aus, bleiben aber oft ein wenig anonym und austauschbar. Das Amàre Beach hat aber gute Chancen darauf, in Erinnerung zu bleiben – vor allem wegen seiner Atmosphäre. Dieses Hotel versucht nicht, andalusische Folklore künstlich aufzutragen. Keine dekorativen Gitarren an den Wänden, keine Flamenco-Karikaturen, keine zwanghafte »Olé«-Romantik.

Stattdessen setzt man auf lässige Leichtigkeit, lichte Weite, strahlendes Weiß. Und natürlich auf seine grandiose Lage direkt an der Playa de la Barrosa, einem der schönsten Strände Andalusiens. Kilometerlanger Sandstrand, breite Dünen, dazu dieses unvergleichliche Atlantiklicht. Meer geht nicht.

3 gute Gründe, dort zu buchen

    1. Der Ausblick: Spektakulär direkt an der Playa de la Barrosa – Atlantikblick statt Parkplatzromantik.

    2.
    Das entspannte Adults-Recommended-Konzept: angenehm ruhig, aber ohne die Strenge mancher Adults-Only-Hotels.

    3. Bar & Kunst: Die
    buchstäblich überragende Rooftop-Bar, auf der die Kunst- und Musikaffinität des gesamten Hotels am deutlichsten zu spüren ist.
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    Photocredits: Amàre Hotels/Verum Hotel Developments/Jorge Morales

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